Robusta — der am meisten unterschätzte Kaffee der Welt
Share
Robusta — der am meisten unterschätzte Kaffee der Welt
"100% Arabica" steht auf fast jeder Kaffeetüte im Supermarkt. Als wäre das ein Qualitätsmerkmal. Als wäre Robusta automatisch schlechter. Als hätte irgendjemand entschieden, dass eine ganze Kaffeepflanze — die auf drei Kontinenten angebaut wird, robuster ist als alles andere und doppelt so viel Koffein hat — einfach nicht gut genug ist.
Wir sehen das anders. Und deshalb steckt Robusta in unserem Espresso und eine unserer neuen Sorten ist 100% Robusta.
Was ist Robusta überhaupt?
Robusta (offiziell: Coffea canephora) ist neben Arabica die zweite große Kaffeepflanze der Welt. Während Arabica in Höhenlagen zwischen 1.000 und 2.000 Metern wächst, ist Robusta anpassungsfähiger, wächst auch in der Ebene, ist resistenter gegen Schädlinge und Krankheiten — und gibt der Bohne damit schon im Namen recht.
Robusta enthält:
— Mehr Koffein (ca. 2,7% vs. 1,5% bei Arabica)
— Mehr Chlorogensäure (Antioxidantien)
— Mehr Lipide, die zur Crema beitragen
— Einen kräftigeren, erdigeren Geschmack
Klingt nach einem Gewinner. Warum hat Robusta dann einen so schlechten Ruf?
Wegen billiger Robusta-Qualität — nicht wegen Robusta an sich.
Das ist der entscheidende Punkt. Schlechter Robusta ist wirklich schlecht: bitter, gummiartig, verbrannt. Aber der wird industriell angebaut, schlecht gelagert und in minderwertigen Mischungen verwendet — oft genau in den Produkten, die behaupten, "echten" Kaffee zu machen.
Guter Robusta — aus kontrollierten Anbaugebieten, sorgfältig aufbereitet, richtig geröstet — ist etwas völlig anderes. Er bringt Körper, Struktur und genau die dicke, cremefarbene Crema, die Latte Art erst möglich macht.
Wer schon mal einen Espresso getrunken hat, der wie Wasser aussieht — der hat wahrscheinlich zu 100% Arabica getrunken.
Warum ist Robusta in unserem Espresso?
Kurze Antwort: weil wir wollen, dass euer Espresso auch nach dem Umrühren noch nach Kaffee aussieht.
Lange Antwort: Arabica hat wunderschöne Aromen — Fruchtigkeit, Blumigkeit, Säure. Das sind tolle Eigenschaften für Filterkaffee. Für Espresso möchten wir aber etwas anderes: Tiefe, Körper, Crema. Und dafür ist ein gut ausgewählter Robusta-Anteil unersetzlich.
Unser Espresso enthält 40% Robusta aus den Westghats in Indien — gewaschen aufbereitet, auf 900 bis 1.050 Metern angebaut. Das ergibt einen Robusta, der deutlich sauberer und weniger bitter ist als das, was ihr vielleicht kennt. Kombiniert mit 60% Arabica aus Brasilien entsteht ein Espresso, der kräftig ist ohne zu beißen, süßlich ohne zu weich zu sein.
Solltet ihr mal puren Robusta probieren?
Ja natürlich. Deswegen haben wir auch einen 100% Robusta herausgebracht. Er ist intensiv, kernig, mit einer fast schokoladigen Schwere. Dabei hat er noch Aromen von Haselnuss und Popcorn, was ihr unbedingt probieren solltet. Dabei nutzen wir genau den Robusta aus unserem Espresso, also wenn dir dieser schmeckt und du es gerne noch etwas extreme möchtest, musst du unseren Robusta probieren.
Bodo trinkt keinen Kaffee (Dackel trinken Wasser, wer hätte das gedacht). Aber wenn er könnte, würde er Robusta nehmen. Einfach weil er Respekt für unterschätzte Charakterköpfe hat.
Was mitnehmen?
Arabica ist nicht automatisch besser. Robusta ist nicht automatisch schlechter. Es kommt — wie immer — auf Qualität, Herkunft und Röstung an. Lasst euch nicht von Marketing-Versprechen auf Supermarkt-Packungen leiten.
Und wenn ihr wissen wollt, wie guter Robusta im Blend schmeckt: ihr wisst wo ihr ihn findet.